Donnerstag, 23. Februar 2017

Strickhoch, Wärmflasche und Selbstkritisches

Derzeit durchlebe ich wieder ein wahres Strichhoch. Kennen das die anderen Strickerinnen auch, dass man auf einmal wieder zu den wochenlang vernachlässigten Nadeln greift? Bei mir geht das ja meistens mit noch mehr Wollanschaffungen einher, weil ich so viele tolle Anleitungen etc. finde, dass ich mich schneller durchklicken und begeistern als stricken kann.


Vielleicht rührt daher ja der massive Stolz endlich mal wieder etwas fertig bekommen zu haben - und sei es auch nur eine Kleinigkeit. Die dafür aber immerhin aus selbstgesponnener (und gut abgelagerter) Wolle. Als ich mein Spinnrad damals gekauft habe wurde aus den ersten Versuchen ein Katzenkissen... Das sagt vermutlich alles über die Qualität. Das hier war dann schon unter den nächsten Versuchen und so richtig zufrieden bin ich damit auch nicht, aber hey. Sowohl bunte als auch weiße Wolle sind auch einem Vlies gesponnen. Inzwischen bin ich auch da etwas klüger und präferiere Bänder.


Na ja, vielleicht finde ich sie im Grunde doch ganz ok. Wenn ich einfach behaupte die leichte Struktur soll so? Ihr merkt schon, ich schwanke zwischen überhöhten Ansprüchen und "Hab-ich-ganz-alleine-gemacht-Stolz". Long Story short, ich habe eine Wärmflaschenhülle für die Lieblingsnachbarin gestrickt, die ihr hoffentlich jetzt schon die Füße wärmt.
Und weil sie ein absolutes Anker-Fangirl ist habe ich natürlich auch einen Anker darauf gemacht. Beim nächsten Mal würde ich den wohl eher abschließend aufsticken statt ihn einzustricken, um das Strickbild ein bisschen gleichmäßiger zu gestalten.
Unterm Strich: Eigene Wolle, eigene Anleitung. Passt schon, oder?


Sonntag, 12. Februar 2017

12/12 Februar 2017

Wie immer gibt es hier die anderen Teilnehmer und darüber hinaus heute ganz viele Hamburgbilder. So schön da oben.


Tee und Highspeed-Anhübschen statt gemütlichem Frühstück.


Zeitungstermin I


Zeitungtermin II


Guter Termin II. Häppchen sind meine Freunde.


Anschließendes Kaffeedate mit Freundin K.


Vor dem Mittagessen noch schnell die Bilder sichten, damit die schneller an die Redaktion können. Immer mal wieder zwischendurch bei der Bundesversammlung vorbeigesurft.


Die Reste vom Feste. Gestern wurde der 80ste Oma-Geburtstag begangen und das müsste doch hoffentlich noch eine Weile reichen, oder? 


Zur Selbstmotivation die Nägel lackiert. Irgendwie macht das Tippen dann mehr Spaß. Man muss nur aufpassen, dass man nicht am Klavier hängen bleibt.
Seht ihr den Bauch? Huiuiui.


Vorher


Nachher.
Neulich hab ich erst einer Freundin erzählt, dass ich im Winter versuche auf nicht-saisonales Gemüse zu verzichten. Dumm nur, dass ich mich dabei selber in die Gelüste-Falle gequatscht habe.


Eine Meute gelegt.


Mit Buch, Decke und Tee aufs Sofa verzogen. Bin ich die Einzige, die den Hype um das Buch nicht so recht nachvollziehen kann? Wird das noch was mit uns oder sollte ich nach 70 Seiten schon aufgeben?

Mittwoch, 1. Februar 2017

Was im Januar besonders schön war

Aktuell sitze ich im Keller, weil ich fürchte mich bei meiner kleinen Schwester mit Noro anzustecken oder im schlimmsten Falle schon angesteckt zu haben. Sehr unerquicklich. Vielleicht hilft ja Ablenkung und Stärkung des Immunsystems durch positive Gedanken. In diesem Sinne: Was im Januar besonders schön war:

  • Geburtstage. Meine Oma machte mit ihrem 80sten den Anfang. Der dazugehörige Opa wurde 88. Da waren nicht nur schöne Feste. Vor allem wird mir dabei immer wieder bewusst, wie gut ich es habe, so fitte und aktive Großeltern haben zu dürfen. Meinen eigenen Geburtstag nicht zu vergessen. Haufenweise lieber Menschen waren da oder haben von Ferne an mich gedacht, die Geschenke türmten sich und das Essen war großartig. Das obere Bild zeigt Kirsch- und Bananenkuchen, nebst Hefezopf und Obstsalat. Käsekuchen und Schachbretttorte haben es nicht mehr mit aufs Bild geschafft. 

  • Brot! Brot und Brötchen in allen Varianten. Der Ofen glüht und täglich ziehe ich irgendein neues Exemplar aus ihm hervor. Fluch und Segen der aktuell so großen Zahl an Mitessern: Ein Brot am Tag kommt locker weg. Ab und an versuche ich mich mal an doppelten Mengen im Irrglauben den Gefrierschrank füllen zu können, aber auch das wird im Nullkommanichts wehinhaliert. Erhöht einerseits die Möglichkeiten der neu auszuprobierenden Rezepte, andererseits den Druck das tatsächlich auch zu tun. Ein Glück, dass es da draußen so phantastische Blogs gibt, die die Lust am Backen immer mehr anheizen.



  • In keinem Januarrückblick sollte dieser Film fehlen und auch wenn es einem das Internet mit einem großen Megaphon in Dauerschleife entgegenbrüllt. Es stimmt. Liebe Leute, geht und schaut euch La La Land an. Da ist alles drin. Lachen und Weinen, mit einem guten Gefühl aus dem Kino gehen und paar Tage später mit dem Soundtrack auf Dauerschleife immer noch an der Botschaft knabbern. Überhaupt war mein Kinobesuch ein wahres Highlight: Mit streichelnder Hand auf dem Knie, Strampeln im Bauch und einer großen Portion Nachos, die ich uns nur noch abwechselnd in den Mund stecken musste lässt es sich sehr gut glücklich sein. 
  • Allgemein ist Strampeln als neu installiertes Baby-Feature ein echter Gewinne. Den semi-spannenden Gemeinderatstermin neulich habe ich damit verbracht zu schauen, wie jemand von innen nach außen stupst, um dann vorsichtig zurückzustupsen. Fabelhaftes Kind!
  • Ganz anders im besten Termin des Monats, der mir einen massiven Fangirl-Abend bescherte. Herta Däubler-Gmelin, ehemalige Justizministerin und MdB für die SPD hat einen Vortrag über zeitgemäße Demokratie gehalten und dabei äußerst kluge Sachen gesagt. So warnte sie davor, dass Demokratie nur noch Vorschläge der Wirtschaft verwaltet statt selbst zu gestalten und rief in allererster Linie zu bewusstem Konsum auf und nicht davor zurückzuschrecken die Zeit, Mühe und Anstrengung auf sich zu nehmen Abgeordneten genau auf die Finger zu blicken und zu partizipieren. All das mit einer bemerkenswerten Attitüde. Wenn ich etwas älter bin (gerne auch jetzt schon) möchte ich auch so cool reagieren, so schlagfertig antworten und so unbeirrt meine Meinungen vertreten. Der kleine, empörte, schwäbische Bauer, der irgendwann aus der letzten Reihe lautstark seinen Frust verkündete, hat jedenfalls ganz schön blöd geschaut, als als einzige Reaktion ein sehr entspanntes "Sie dürfen mich hier ja gern kritisieren und ihrer Zornausbruch ausleben, aber das hat uns jetzt keine 5m weiter gebracht. Mir wäre lieber wir würden überlegen, wie wir den Missstand konstruktiv angehen."


  • Diese Bilder aus Astrid Lindgrens Wohnung.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Brot!

Ab und an hab ich ja schon von meinem Sauerteig erzählt und wie hervorragend er sich macht. Nichtsdestotrotz wurde er in den vergangen Monaten schändlich vernachlässigt. Irgendwie kam eines zum anderen. Erst war der Backofen kaputt, dann hatte mich die Schwangerschaftsübelkeit fest im Griff.
Aber jetzt wurde er wiederbelebt und ich bin, gelinde gesagt, ein bisschen stolz. Das Sauerteig-Baby hat völlig ohne Mucken auch nach locker drei Monaten Ruhepause seinen Dienst wieder aufgenommen und vorbildliche Luftbläschen entwickelt.


Dieser Blog ja ohnehin mein Freund und Helfer in allen Küchenfragen des Lebens. Also habe ich, als ich nach jahrelangem Bestaunen beschlossen habe einen eigenen Sauerteig ansetzen zu wollen zunächst mal fleißig das hier gelesen. Angesetzt habe ich ihn nach dieser Anleitung (wegen der genauen gr.-Angaben ;) Spießer halt) und das erste Brot nach diesem Vorschlag gebacken. Ich hatte damals das Glück von ein paar sehr heißen Sommertagen, in denen der Teig prächtig gedieh, aber auch jetzt auf der Heizung müsste das ganz gut funktionieren.


Als absolutes Anfängerbrot angepriesen und ohne besonders viele komplizierte Schritte, Quellstücke oder ähnliches habe ich schon öfters dieses Brot hier versucht und kann es nur empfehlen. Auch wenn meines oben ein bisschen eingerissen ist und nicht so schön aussieht wie das Original bin ich dennoch sehr zufrieden mit Krume, Geschmack und Haltbarkeit. (Übrigens war im Hause gudrunella kein Vollkornweizenmehl zu finden. Ich habe mich stattdessen am Emmer bedient. Klappt auch.)

Für den Sauerteig:
150 gr. Roggenmehl
150 ml. Wasser
15 gr. Anstellgut

Diesen Sauerteig (ich mache davor immer noch eine einstufige Führung, wie in den Links oben erklärt) etwa 16-18 Stunden vorher ansetzen. Dann mit

135 gr. Roggenmehl 1150
150 gr. Weizenmehl (Vollkorn)
160 gr. Weizenmehl 1050
355 gr. Wasser
12 gr. Salz
10 gr. Hefe (optional) mischen

Das ganze 7 Minuten kneten, den Teig anschließend 30 Minuten ruhen lassen, bevor er in eine gefettete Kastenform gegeben werden kann. Die wird dann mit einer Plastiktüte abgedeckt (an die Profis da draußen: Schafft ihr es ohne eure Oberfläche zu ruinieren?) und darf solange in der Wärme bleiben, bis der Teig zur Kante der Form aufgegangen ist oder etwa 60-90 (mit Hefe 60 ohne 90) Minuten.



Und dann müssten nur noch mit einer Stricknadel oder Fleischgabel Löcher in den Teig gestochen werden (nochmal an die Profis: Warum sind meine denn verschwunden?) und ab in den Ofen mit dem guten Stück. Bei 250°C für 15 Minuten und dann fallend auf 180°C für nochmals 45 Minuten.
So, und auf die Gefahr hin, dass ich besessen wirke: Ich geh jetzt neue Rezepte ausprobieren!

Rezept von: hier bzw. hier

Sonntag, 15. Januar 2017

Winterkind und Sommerkind

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet 
Im grossen Plan.

                          Mascha Kaleko


Wenn dieser Text online gekommen ist, habe ich gerade die Feier zu meinen 27. Geburtstag hinter mir und den Beginn eines neuen Lebensjahres. Und es bedarf keiner besonderer prophetischer Fähigkeiten, um zu wissen, dass es ein besonderes Jahr sein wird.


Während ich diese Zeilen tippe zeigt sich der Winter in vollster Pracht, erst hat es heftig geschneit, jetzt blinzelt die Sonne hervor und bringt das Weiß zum Leuchten. Später, wenn ich noch aus dem Haus muss, wird die Luft klirren und die Kälte wird in die Wangen piksen. Ich mag das ja sehr. Winterkind halt, Pulverschnee und diese besondere, reine Luft im Winter sind für mich das Höchste.


In dieser Jahreszeit scheint es noch unvorstellbar, dass bald Primeln, Krokusse und Osterglocken auftauchen, dass der Kraut- und Kohlspeiseplan bald wieder um Bärlauch und Spargel ergänzt werden kann. Noch unvorstellbarer erscheint mir (trotz wachsender Leibesfülle) nur, dass gemeinsam mit den Erdbeeren im Frühsommer ein Sommerkind hinzu kommen wird. 


Ein Sommerkind zum Winterkind. Und ich freu mich schon sehr auf unsere gemeinsamen Sommer und Winter. Auf lange, milde Sommernächte und Schlittentage. 
Ja, das wird definitiv ein besonderes Jahr.

Donnerstag, 5. Januar 2017

Happy new year!

Ein gutes neues Jahr, ihr lieben Menschen. Ohne viel Schnickschnack gibts heute Soulfood der allerfeinsten Art. Linsenbolognese ist einfach großartig, auch die Omnis im Haushalt essen gerne mit und gerade bei den derzeitigen Temperaturen macht so ein Essen, wenn man kaltgefroren vom Schneeschippen kommt, doppelt gute Laune.


Ihr benötigt für vier hungrige Esser:

1 Zwiebel (in Würfeln)
1 große Karotte (in Würfeln)
Sellerie (ich mag am liebsten Stangensellerie, der bleibt auch knackiger. War in diesem Fall leider nicht mehr im Kühlschrank zu finden)
evtl. Lauch

Die Zwiebel- und Gemüsewürfelchen in guten Olivenöl andünsten und bei erster Bräunung etwa
300 gr. rote Linsen hinzugeben.


Mit einem Schuss Balsamico (trust me) und einem halben Glas Rotwein ablöschen. Danach passierte Tomaten (etwa 750ml) und Tomatenmark hinzufügen.

Dann mit den Gewürzen:
Salz und Pfeffer
ein bisschen Zucker
Chili
Basilikum
Oregano
Majoran
Thymian
ein Lorbeerblatt
und Knoblauch nach Belieben (Unserer kommt direkt aus dem Garten. Nur echt mit den letzten Spuren Erde ;))
abschmecken und köcheln lassen. Je länger, desto besser. Wenn es schnell gehen muss auf jeden Fall einen Deckel nehmen.


Dann nur noch Nudeln nach Wahl kochen, je nach Belieben mit Parmesan bestreuen (ohne ist es vegan) und guten Appetit! 


Samstag, 10. Dezember 2016

Tim Mälzer oder der Glauben an die Liebe

Irgendwie hat Lokaljournalismus ja schon einen schlechten Ruf. Vereinsmeierei statt Glanz und Glamour. Und noch nicht mal Skandale, die aufgedeckt werden oder Reporter, die im Namen der Meinungsfreiheit auf allen vieren durch den Urwald robben. Ohne Zweifel klingt das Kochevent mit Tim Mälzer wesentlich chicer als der Besuch beim Gnadenhochzeitspaar.


Unterm Strich zeigt sich beim Kochevent vor allem, dass Tim Mälzer sich vor allem ganz schön wichtig fühlt und eines ganz sicher nicht hat, nämlich Egoprobleme. Die gesamte Veranstaltung dauerte stundenlang, der Hauptteil fand zudem unter Ausschuss der Öffentlichkeit statt (böse Zungen aka ich behaupten das sei, um zu vertuschen, dass er nicht einmal eine Zwiebel schneiden kann). Das Begleitteam war mindestens genauso arrogant, auf jeden Fall dreimal so demonstrativ gelangweilt von uns Provinzpflanzen und laut der geheimen Meinung der Verkoster war das Essen bei weitem nicht so gut, als dass es dieses Bohei rechtfertigen würde.
Persönliche Anmerkung am Rande: Das wundert mich übrigens wirklich, dass bei diesen Unmengen an Fett, Öl und Butter irgendwas nicht schmecken kann ist nahezu unvorstellbar.


Nein, dann doch lieber die über 90-jährigen, tatterigen Leutchen, die mir ihre Liebes- und Lebensgeschichte erzählen. Die Geschichte einer 16-Jährigen, die auf der Straße von einem fremden Mann angesprochen wird, der sie gesehen hat und sich vom Fleck weg in sie verliebt hat. Zugleich aber auch die Geschichte eines Krieges, der sie zwei Jahre lang trennte. Eine Zeit, die sie mit 350 Briefen und der festen Überzeugung "wir wussten, dass wir zusammen gehören" überstanden. Mit 20 und 24 Jahren haben sie dann geheiratet.
Heute sind sie unverkennbar alt. Er schwankt bei jedem Schritt, sie kann sich ohne seine Hilfe nicht einmal mehr aufrichten. Und dennoch, wenn ich mit die Beiden anschaue, dann geht mir das Herz auf. Dann sitzen mir Menschen gegenüber die durch und durch warm und wahrhaftig sind. Wenn er immer noch stolz von "meiner Frau" spricht und wenn sie gemeinsam über das Bräutigamsoutfit ("alles geliehen, nur Schuhe und Unterhose waren meine") lachen, dann bin ich ihnen komplett verfallen und wohl auch Lokaltippse aus Überzeugung, weil ich mir in diesem Moment keinen besseren Job vorstellen könnte.

Donnerstag, 24. November 2016

Luxusprobleme?

Ein paar kurze Worte vorneweg: Ob und wie schlimm ich das alles tatsächlich finde weiß ich selbst nicht. Hängt vermutlich auch von der Situation selbst ab. Durch den Kopf geistert es mir trotzdem und vielleicht hat ja jemand ein paar spannende Gedanken dazu.

Nach eineinhalb Jahren Lokalzeitungsgeschreibsel und nun knapp zwei Monaten Vollzeit bin ich den meisten schon bekannt als "Ach die Frau gudrunella. Schreiben Sie was Schönes über uns." oder "Na, heute beruflich oder privat da?" Ein bunter Hund ist nichts gegen den örtlichen Schreiberling.

Die komplette Kommunikation mit Chef + Redaktion läuft seit jeher über mein Handy und meine E-Mail-adresse. Hätte man sich zu Anfang dieser Nebentätigkeit eine neue Mail-adresse anschaffen sollen - vielleicht. Beim Handy wird's schon schwieriger, wenn man nicht einen alten Uraltknochen wiederbeleben möchte und zwei Handys spazieren tragen will.
Unterm Strich führt das aber inzwischen dazu, dass mich mein Chef jederzeit und überall erreichen kann. Im Bett, bei privaten Treffen, am Wochenende sowieso und (komischerweise ruft er dann am liebsten an, wenn ich mich eh schon abgemeldet habe) im Urlaub. Sei es, wenn ich auf irgendwelchen Bergen herumkraxel und gerade zufällig durch fünf Meter mit Empfang laufe oder beim Surfen in Italien. Selbstverständlich hat nicht nur er die Nummer, sondern auch die restliche Redaktion. I-Messages um kurz nach 23:00 Uhr? Mal eben das geplante Layout über WhatsApp geschickt. Alles dabei.

Aber auch so scheint meine Nummer zu kursieren. Ein paar Beispiele:
- aus dem Mittagsschlaf von penetrantem Klingeln geweckt werden und mehr oder weniger verballert den unbekannten Anruf annehmen. "Sie haben doch den Artikel über XYZ geschrieben. Haben Sie für das Bild eine Drohne benutzt?" Und bevor ich überhaupt fragen könnte wie diese Neugierige an meine private Nummer kam hat sie schon wieder aufgelegt.
- Artikelanfragen über WhatsApp: "Hallo Vorname (alleine schon das!). Ich hab deine Nummer von wemauchimmer. Wir machen da und dort dieses und jenes. Könntest du darüber schreiben?" Ich verweise inzwischen wie ein Automat auf meinen Chef und dass solche Anfragen nur über ihn gehen.
- und meine Lieblingsanfragen: Könntest du nicht schnell (wenn's so schnell ginge, dann macht es doch bitte selber) einen kleinen Artikel für das Gemeindeblatt, die Konkurrenzzeitung, usw. schreiben. Da muss man nur ein bisschen umändern und die Bilder hast du ja eh. Selbstverständlich alles unentgeltlich.

Und jetzt liebe Menschen sagt doch mal bitte. Ist das ein Luxusproblem, wenn ich mein Privathandy gerne wieder privat hätte? Wie bringe ich (bevorzugt dem entfernten Familien- und Bekanntenkreis) freundlich aber bestimmt bei, dass ich das nicht aus Jux und Tollerei mache, sondern um Geld zu verdienen?

Dienstag, 8. November 2016

Oktoberschnickschnack

Hach ja, Oktober, wo bist du nur hin? Nachdem ich ich mit Sack und Pack wieder daheim eingezogen bin (semi-empfehlenswert) war ich erstmal lange damit beschäftigt den Krempel, der sich über sechs Jahre in einem eigenen Haushalt ansammelt einzusortieren (semi-witzig). Über die Kartons, die nach wie vor im Bus stehen und der Dinge harren breiten wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens.



Skandalöserweise hat sich einfach so der Backofen verabschiedet und das intensive Bekümmern des Sauerteigs musste leider warten. Inzwischen ist der Nachfolger eingezogen und so langsam wird es wieder was. Momentan befinde ich mich, ehrlich gesagt, noch in einer Rumprobierphase. Je älter der Sauerteig wird, desto stabiler wird er ja auch. Außerdem backe ich mich munter durch Bauernbrote, Karottenbrote und Kartoffelbrote. Manche Rezepte werden direkt nach dem ersten Mal ausprobiert, andere wie das Bierbrot haben (mit anderem Bier) eine zweite Chance bekommen und könnten direkt ins Standardprogramm übergehen. Habt ihr Lust auf mein Favoritenrezept, wenn ich mal eines gefunden habe? Das unten ist übrigens ein Brownieversuch, bei dem der Teig mit Bohnen gemacht wird. Memo an mich: Kann man machen. Kann man aber auch lassen. Egal, was sie Fitnessblogs einem so von Eiweiß und zuckerreduziert erzählen, lecker ist halt doch irgendwie anders.


Einen richtigen Job wollte mein Zeitungschef mir nicht geben. Sparmaßnahmen. Termine hatte er trotzdem noch und nöcher. Somit wurde der Oktober ein absoluter Rekordmonat mit 34 Artikeln und gefühlt keinem freien Abend oder Wochenende. Aber auch mit überwiegend sehr spannenden Terminen: Zum Beispiel das erste Mal im Gefängnis. Ein Theaterstück für die Insassen, die alle hinter mit saßen (Ein bisschen unangenehm. Da treffen Vorurteile auf Schisser, aber im Blick haben wäre mir irgendwie lieber gewesen.) Aber auch spannend Vorträge von der Präsidentin der Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann oder dem ehemaligen ARD-Korrespondenten für den Nahen Osten Ulrich Kienzle. Ich habe Friederike Feil zugehört, die über Sportlerernährung referiert hat und absolute Profis beim Tango Agentino gesehen. Ich habe mit der Zauberformel "Zeitung" einmal das Street Food Program hoch und runter probiert und schwäbische Unterhaltungsurgesteine erlebt. 
Neben Lokalzeitung stand außerdem zum ersten Mal auch ein anderer Abnehmer meiner Artikel auf der Agenda. Habe ich meine Seele an eine katholische Kirchenzeitung verkauft? - Scheint so. Zahlen die etwa das vierfache pro Zeile? - Aber hallo!


Ansonsten stand tatsächlich hauptsächlich akklimatisieren, die üblichen Herbstzipperlein auskurieren und nur ein klitzekleines bisschen Handarbeiten an. Aus dieser (selbstgesponnenen) Wolle soll (möglichst schnell, der Geburtstag war immerhin im Juli) eine Wärmflaschenhülle für die Lieblingsnachbarin werden, bevor der Winter kam und ging und die Arme dank meiner Trödelei die ganze Zeit kalte Füße hatte. Ich bin dran, versprochen!

Donnerstag, 29. September 2016

Abschiedsschmerz



Während ich diese Zeilen tippe sitze ich mit zwei Freundinnen da, eben gab es Nudeln für alle, jetzt arbeiten wir gemeinsam (ich mehr moralisch) an der Bachelorarbeit, die morgen abgegeben werden muss. Wenn die Beiden dann abgeben, werde ich schon zum letzten Mal auf dem Weg aus der Unistadt sein und bereits jetzt wird mir beim Gedanken daran ganz anders.



In dieser Woche habe ich noch einmal alles mitgenommen. Ein Besuch bei den Babysitterkindern, eine Stunde bei der Gesangslehrerin und ganz viel Zeit mit den lieben Menschen.
Und teilweise hat es sich fast so angefühlt, wie der ganz normale Unialltag. Auf dem Weg vom einen Termin zum nächsten durch die Stadt zu schlendern. Fast als ob man später noch in der Bib vorbei geht, ein paar neue Bücher abholt, ein bisschen was liest und abends wieder in seine eigenen vier Wände zurückkehrt.

Sechs Jahre lang waren die 20 und ein paar Quadratmeter mein Zuhause, mein Rückzugsort, mein Turmzimmer und meine Burg, mein Nest und vor allem einfach Mein. Ein bisschen abgelegen waren die wenigsten jemals zu Besuch, nicht mal nach Besuch musste man sich richten. Pure Alleinherrschaft zum ersten mal weg von den Eltern.



Wohnungen werden neue kommen. Was ich am meisten vermissen werde ist das freie Leben und die vielen lieben Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. Zwischen Tutorien, Kursen, Nebenjob und Verabredungen selbst die Zeit einteilen können, zwischen spannenden Themen und herzlichen Menschen zu leben und vor allem die Möglichkeit zu haben sich nach Herzenslust in Themen zu vertiefen, sich Fachwissen anzulesen und wissenschaftlich zu arbeiten, alles im eigenen Tempo ist ein unfassbarer Luxus.



Liebes Ei, liebe Nachbarin, liebe Bib, liebe Cafete, lieber Sternenhimmel, der sonst nirgends so schön ist wie hier - Ihr werdet mir ganz schön fehlen!